Feuer im unterrichtlichen Kontext: Probleme und Umgang mit Gefahrenpotenzialen

von Jens Hepper

Waldbrände sind menschengemacht – sowohl bei uns in Deutschland als auch weltweit sind die vorsätzliche Brandstiftung oder der fahrlässige Umgang mit Lagerfeuern, Böllern oder Zigaretten die Hauptauslöser für Waldbrände. Sogenanntes Boofen, also das Übernachten mit Lagerfeuern unter Felsvorsprüngen in Gebirgen, Grillen im Wald, alte Munition oder technischer sowie persönlich unachtsamer Umgang mit Brandursachen sind weitere typische Beispiele für die Waldbrandgefahren durch menschliches Verhalten. Wie geht man als Lehrkraft also mit dieser Problematik um?

Zwischen Verboten und Aufklärung

Das einfachste wäre es, den Lernenden mitzuteilen, dass Feuer im Wald schlicht verboten sind. Das Kommunizieren des Verbots von allen offenen Flammen im Wald als einzige präventive Maßnahme scheint nicht auszureichen. Gerade die Gefahrenaufklärung zu vielen unterschiedlichen Themen  der Konsequenzen durch eine geschulte Lehrkraft. Auch bei anderen Gefahren – wie beim unvorsichtigen Autofahren oder ungesunder Ernährung – können sowohl einzelne Menschen als auch die Gesamtgesellschaft von einer Aufklärung profitieren. Ebenso verhält es sich bei Waldbränden. Die Fehler oder das fahrlässige Verhalten von unaufgeklärten Menschen können schnell große Waldflächen vernichten, Tiere verletzen oder im schlimmsten Fall töten. Das kann durch gezielte Präventionsmaßnahmen verhindert werden.

 

Ein Lagerfeuer oder das Grillen im Klassenverband können alltagsnahe Orientierungen zum Thema Sicherheit mit offenem Feuer bieten (Foto: ercanozay / Getty Images).

Vorerfahrungen mit Feuer

Kinder sind häufig vom Feuer fasziniert und probieren aus reiner Neugier das Feuermachen. Jugendliche und Erwachsene erleben Feuer als wohlige Wärme beim Campen oder Grillen. Diese archaische Erfahrung ist im Menschen fest verankert. Das Vorwissen von Schüler:innen zum Thema Feuer ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während einige Schüler:innen bereits in Jugendfeuerwehren oder bei Camping-Ausflügen Erfahrungen mit Lagerfeuern gesammelt haben, haben Andere kaum Berührungspunkte mit offenen Feuern.

Prävention von Waldbränden durch Alltagsnähe

Für die Präventionsarbeit zu den Gefahren des Autofahrens und auch von Waldbränden stehen häufig das Erleben und Zeigen von Sicherheitsmaßnahmen in alltagsnahen Situationen im Vordergrund. Im Schulalltag ist das Anzünden eines Feuers kaum möglich und birgt seinerseits Risiken. Dennoch ist es für die Waldbrandprävention unerlässlich, Gefahren erlebbar zu machen, ohne Schüler:innen oder Wälder durch unsichere Feuer in Gefahr bringen zu müssen. Gefahren sicher zu beurteilen, ist demnach ein wesentlicher Aspekt der Waldbrandprävention.

Lernziel: sachgemäßer Umgang mit offenem Feuer

Da das Freizeitverhalten von Menschen einen unwiderlegbaren Zusammenhang mit der Waldbrandhäufigkeit hat, sollten Lernende der Sekundarstufe I  Kenntnisse über den sicheren Umgang mit Feuer durch eigene Handlungen erlangen und wissen, an welchen Orten ein Feuer grundsätzlich unterbleiben muss. Die Herangehensweise über Onlinematerialien, praktische Übungen und Arbeitsblätter kann so Gefahrenbeurteilung sicher vornehmen und über Risiken aufklären. Je nach Vorkenntnissen und Möglichkeiten der Lehrkraft können – auch ohne das Entzünden eines echten Feuers – wichtige Lernziele erreicht werden.

Rechtliche Verankerung und Gesetzeslage

Strafgesetzbuch als auch in allen Landeswaldgesetzen fest verankert. Der Gesetzgeber definiert in den Paragraphen 306 bis 306f StGB unterschiedliche Arten der Brandstiftung, etwa das Herbeiführen einer Brandgefahr, fahrlässige Brandstiftung oder auch Brandstiftung mit Todesfolge. Wie hoch die tatsächliche Strafe ausfällt, ist zum einen von der Tat an sich abhängig und zum anderen davon, um welche Art der Brandstiftung es sich handelt. Grundsätzlich ist bei einer erwiesenen Brandstiftung eine Strafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Freiheitsentzug möglich.

Wer trotz eines Verbots ein offenes Feuer im Wald entfacht, muss mit einem Bußgeld rechnen. Die Höhe des Bußgelds regeln die unterschiedlichen Bundesländer. Auffällig ist hierbei, dass besonders hohe Strafen in den Bundesländern erhoben werden, die durch das Vorkommen von Kiefernbeständen, klimatischen, geographischen und historischen Bedingungen für Waldbrände auch besonders gefährdet sind. Welche das sind, können Sie im Fachartikel zu Waldbrandursachen und den Statistiken zu Waldbränden nachlesen.