Vom Klimaschutz zum Klimarisiko

Es ist ein Teufelskreis: Mit dem Klimawandel und der Erderwärmung – davon gehen Wissenschaftler aus – steigt das Risiko von Waldbränden. Denn auch Hitzeperioden und langanhaltende Trockenheit nehmen mit der Klimaerwärmung zu, sie begünstigten geradezu Waldbrände.

Vom Klimaschützer zum Sorgenkind

Die Ökosystemleistungen des Waldes sind lebenswichtig für Mensch und Tier. Wälder zeichnen sich durch eine hohe Biodiversität aus und haben für den Klimaschutz eine enorme Bedeutung: Denn Wurzeln unter der Erde verhindern Erosion und Hochwasser. Wälder filtern Regenwasser und versorgen uns mit Trinkwasser. Bäume und Pflanzen entziehen der Atmosphäre Kohlenstoffdioxid (CO2), spalten diesen, binden Kohlenstoff in der oberirdischen und unterirdischen Biomasse (in Bäumen, Pflanzen, Totholz, Böden) und geben den lebenswichtigen Sauerstoff wieder an die Atmosphäre ab. Waldbrände zerstören diese Ökosystem und damit auch die natürliche Schutzwirkung gegen die Klimaerwärmung.

Der Klimawandel trägt dazu bei, dass die Waldbrandgefahr in Deutschland steigt. Denn die Klimaerwärmung trägt zur Austrocknung und Schwächung der Wälder bei, sodass deren Feuerempfindlichkeit zunimmt. Gleichzeitig tragen Waldbrände durch Freisetzung von Treibhausgasen zur Klimaerwärmung bei. Damit wachsen wiederum Anzahl und Ausmaß der Waldbrände. Daraus entsteht ein ständiger Rückkopplungseffekt.

In den letzten Jahrzehnten haben diese weltweit zugenommen; sogar im Polarkreis hat es bereits gebrannt. Waldbrände vernichten nicht nur Waldflächen, die für die Abkühlung des Klimas und Bindung von Kohlenstoff sorgen, sie setzen immense Mengen gespeichertem CO2 wieder frei. Umso wichtiger ist es, Waldbrände möglichst früh zu erkennen, sie einzudämmen und zu begrenzen – und: durch präventive Maßnahmen sowie ein Bewusstsein für die Gefahr im besten Fall ganz zu verhindern. Zudem müssen natürliche Wälder noch mehr geschützt beziehungsweise Monokulturen mit leicht brennbaren Nadelbäumen in Mischwälder mit mehr Laubbäumen umgewandelt werden. Denn Laubbäume können nicht nur mehr Wasser speichern, sondern auch mehr CO2 aufnehmen und binden.

 

Plakat (übersetzt: eine Erde) einer Klimaschutz-Demonstation (Foto: Markus Spiske, Unsplash; CC-BY-SA)

Können die Klimaziele gehalten werden?

Die Debatte um die Zukunft der Wälder in Zeiten des Klimawandels ist hoch aktuell. Die Waldbrandgefahr ändert sich, sie verschärft sich und das Risiko wird größer. Das machen auch neuere Publikationen deutlich (siehe Literatur). Das gemalte Szenario ist düster: Zunahme von Waldbrandereignissen; schnell überforderte Löschkapazitäten; verheerende Brände. All das führt zu einer Beschleunigung des Klimawandels.

Die Folgen sind überall zu spüren und sei es nur durch höhere Temperaturen und geringerem Niederschlag. Diese Häufung von Ereignissen wirkt sich auf die Bäume aus und setzt ihnen schwer zu. „Doktor Wald“ wird zum Patienten.

Im Pariser Klimaabkommen haben 196 Nationen dafür gestimmt, den weltweiten Temperaturan­stieg möglichst auf 1,5 Grad zu beschränken. Aktuell bewegt sich die Erwärmung der Erde auf über drei Grad zu. Für den Schutz des Klimas sind wir verantwortlich. Nur wir Menschen können durch unser Handeln verhindern, dass die Zukunft noch schlimmer wird.

 

Literatur

  • Carnicer, J., Alegria, A., Giannakopoulos, C. et al. Global warming is shifting the relationships between fire weather and realized fire-induced CO2 emissions in Europe. Sci Rep 12, 10365 (2022). https://doi.org/10.1038/s41598-022-14480-8
  • Hirschberger, P.(2016). Wälder in Flammen. Ursachen und Folgen der weltweiten Waldbrände. WWF Deutschland, Berlin.
  • Turco, M., Rosa-Cánovas, J.J., Bedia, J. et al. Exacerbated fires in Mediterranean Europe due to anthropogenic warming projected with non-stationary climate-fire models. Nat Commun 9, 3821 (2018). https://doi.org/10.1038/s41467-018-06358-z

Weiterführende Informationen


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Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz. Autor: Jens Hepper für brennpunkt-wald.de, Redaktion: Stefanie Pietzsch, Tabea Schwinn